Der
Iran ist mehr als viermal so gross wie die Bundesrepublik Deutschland. Das
heutige Staatsgebiet weist viele der ältesten Siedlungen der Menschheit auf.
Viele davon gehen bis zum 10. Jahrtausend vor Christus zurück. Das altpersische
Reich geht auf die Achämeniden zurück. Die grösste territoriale Ausdehnung
fällt in die Zeit von Darius und seinen Nachfolgern. Das Zentrum war die
heutige, auf einem Hochplateau liegende Provinz Fars. Das damalige Staatssystem
war hochmodern. Es wurde eine einheitliche Sprache gesprochen, es existierten ein
eigenes Geld-, Strassen- und Postsystem. Steuerabgaben ermöglichten die Bildung
von staatlichen Infrastrukturen. Umfangreiche Bewässerungssysteme sorgten für
eine effiziente Landwirtschaft. Kurz gesagt, die Perser waren damals ihrer Zeit
weit voraus!
Was
ist geblieben?
Heute
ist der Iran ein Vielvölkerstaat, insbesondere im nördlichen Teil des Landes.
Die Araber haben im 6. Jahrhundert den damaligen Persern die islamische
Religion zwangsweise auf die Nase gebunden. Hier beginnt auch eine neue
Zeitrechnung. Doch der Iran ist aber glücklicherweise nicht wie andere Länder
vollständig arabisiert worden. Die persische Kultur ist erhalten geblieben,
insbesondere in der Grossregion um die Provinz Fars.
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Vertreter der Nachbarländer überbringen den alten Persern Geschenke der Freundschaft
(Persepolis, Zeit vor Christus) |
Andererseits
liegt seit der Revolution im Frühling 1979 die Auslegung der islamischen
Religion wie eine grau-schwarze Wolke über der Seele und dem Gemüt der Iraner.
Der Iran ist beileibe kein Rechtsstaat. Die drei Kernelemente Legislative, Judikative
und Exekutive fehlen komplett. Im Gottesstaat übernimmt der sogenannte Wächterrat die Gesetzgebung, die
Rechtsprechung und die Durchsetzung.
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Wahrzeichen von Teheran |
Die
internationalen Sanktionen der letzten Jahrzehnte haben deutliche Spuren
hinterlassen. Der Staat hat sich in den letzten 30 Jahren nur unwesentlich
weiterentwickelt. Die Strassen sind zwar ordentlich und viele Iraner benutzen
moderne Kommunikationssysteme. Doch die meisten ausländischen Websites sind
gesperrt. Die medizinische Versorgung (Ärzte, Medikamente) war bis vor wenigen
Jahren schlecht, ist aber jetzt wieder besser geworden. Der Iran ist ein
Ölland, trotzdem sind Benzin und Diesel rationiert. Hier fehlen die
Raffinerien und das eigene Know-how ist beschränkt. In einigen Belangen der
Infrastruktur erinnert der Iran uns eher an afrikanische Entwicklungsländer
als an einen modernen Staat.
Iraner
sind intelligente und stolze Menschen, trotzdem hat ihr Selbstwertgefühl in den
vergangenen Jahrzehnten arg gelitten. Sie möchten mit der westlichen Welt
mitmachen und teilhaben. Sie wissen haargenau wie die Menschen im Westen leben.
Auf der anderen Seite ist bei der Generation der 18 bis 35 Jährigen eine
gewisse Resignation und Lethargie feststellbar.
Nach einer Studie der Teheraner
Universität tragen sich 2 von 3 iranischen Studenten mit dem Gedanken ihr
Studium im Ausland weiterzuführen und später auch im Ausland zu leben. Die
Arbeitslosigkeit wird von Staatseite mit 12 % angegeben aber die Iraner selbst
schätzen sie über 35 %. Für die Karriereentwicklung stehen zwei Wege offen;
über die Universität oder über ein theologisches Studium an einer Koranschule.
In der Koranschule können heutzutage auch sogenannte „westliche“ Fächer belegt
werden. Falls der Student im Iran bleiben will scheint die Koranschule
vielversprechender. Der Student erklimmt hier verschiedene Stufen der
Qualifikation. Er kann, ohne Priester zu werden, irgendwann ausscheiden und als
Lehrer, Beamter, Jurist oder Kaufmann arbeiten. Die Leute von den Koranschulen werden
vom Staat oder von staatlich kontrollierten Unternehmen bevorzugt. Die
Koranschulen können sich ihre Studenten aussuchen. Die besten, oder besser
gesagt, die geeignetsten rücken Richtung geistliche Obrigkeit auf. Koranschulen
werden vom Staat stark subventioniert und haben zudem umfangreiche Vermögen im
Rücken.
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alter Platz in Teheran |
Somit
ist das ausschliesslich religiös orientierte Führungssystem im Iran in den vergangenen
Jahrzehnten zum systematischen Selbstläufer geworden. Falls die höchsten
Führungsleute der Regierung ausfallen würden gäbe es keine grösseren Veränderungen. Das
System regeneriert sich selbst von innen.
Die
aktuelle Öffnung des Landes geschieht nicht aus einer Änderung der
Regierungsgesinnung sondern aus der Not der Unterversorgung des Staates und dem
fühlbaren Druck aus der Bevölkerung. Die Menschen im Iran sind mit ihrer eigenen
Regierung nicht zufrieden! Die Trennung von Regierung und Religion wird in
vielen Kreisen diskutiert. Die Leute stellen nicht die islamische Religion in
Frage aber deren Auslegung durch die Ayatollahs und die Mullahs.
Das
Verfalldatum des aktuellen Regierungssystems rückt im Iran unaufhaltsam näher!
Auf der anderen Seite gilt heute der Iran in der westlichen Welt als stabiles
und sicheres Land im Pulverfass "Naher Osten "- während gerade in dieser Region "Naher Osten" seit Jahrzehnten viele grosskalibrige Nationen ihre vor Eigeninteressen strotzenden Suppen kochen. Und uns dies als humanitäre Wohltat an den hier lebenden Menschen zu verkaufen versuchen!
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Stimmt die Richtung noch? |